Minimalismus – die Grundregel

Die eins-rein-eins-raus-Regel, die 90/90-Regel, die Dies und das Regel – ok, die letztere habe ich gerade erfunden. Immer wieder liest man von Regeln im Minimalismus, die man befolgen soll, um „erfolgreich“ im Minimalismus zu sein. Dem möchte ich widersprechen. Es gibt kein „erfolgreich“ im Minimalismus. Es geht nicht darum, weniger zu besitzen als der Minimalist von nebenan. Sondern vielmehr darum, sich eben nicht mehr mit den anderen zu vergleichen! Man darf mehr als 100 Dinge besitzen, wenn man Minimalist ist. Ein Zitat habe ich gefunden, das für mich die Grundregel des Minimalismus darstellt – und diese weisen Worte hat auch noch ein Künstler aufgeschrieben, dessen Werke ich schon seit Jahrzehnten liebe:

„Habe nichts in deinem Haus, von dem Du nicht glaubst, dass es nützlich oder schön ist.“
William Morris

William Morris war ein britischer Maler, Designer und Schriftsteller im 19. Jahrhundert und sein Stil war alles andere als minimalistisch, eher verspielt und detailversessen. Aber vielleicht macht es gerade diese Spannung aus, aus der Einfachheit etwas Komplexes zu erschaffen.

Dieser Satz ist für mich mein Leitmotiv geworden, um zu entscheiden, was in meinem Zuhause bleiben darf und was nicht. Nehme ich einen Gegenstand in die Hand, frage ich mich, ob er nützlich ist – und zusätzlich noch, ob ich ihn nutze! – oder ob er schön genug ist und mir Freude bringt, wenn er da bleiben darf.

Ich weiß, andere Minimalisten sind da wesentlich strenger, wie zum Beispiel mit der 90/90-Regel. Hier fragt man sich bei einem Gegenstand, ob man ihn in den letzten 90 Tagen gebraucht hat oder in den nächsten 90 Tagen brauchen wird – denn so hat man auch Feiertage wie Weihnachten einigermaßen abgedeckt. Man kann es auch auf 120 Tage ausweiten. Und bei einigen Dingen hilft mir diese Regel auch, sie loszulassen, bei anderen wiederum nicht.

Minimalismus ist so individuell, wie wir Menschen. Es gibt welche, die brauchen strenge Regeln, und es gibt andere, die lockerer damit umgehen. Wichtig ist, dass man seinen eigenen Weg findet, denn das macht die wirkliche Begegnung mit dem Minimalismus und letztendlich mit einem selbst aus.